• PREISTRÄGER

    2018: "Of Fathers and Sons"

    Regie: Talal Derki

    Begründung der Jury:

    Talal Derki gelingt es mit "Of Fathers and Sons", Einblick in eine Welt und deren Lebensweise zu geben, die uns sonst verschlossen bleibt. Wie auch der Namensgeber des Fritz-Gerlich-Filmpreises, berichtet der Filmemacher unter Einsatz seines eigenen Lebens aus einem totalitären System. Geboren in Damaskus, studierte Talal Derki zunächst in Athen. Für "Of Fathers and Sons" kehrte er wieder in sein unsicheres Heimatland zurück. Aus einer unmittelbar subjektiven Perspektive dokumentiert er die Gewalt in dieser hermetischen Welt. Der besondere filmische und couragierte Zugriff von Talal Derki in "Of Fathers and Sons" verdient nach Auffassung der Jury die Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis 2018.

     

    In den letzten Jahren sind folgende Filme und Filmemacher/innen
    mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis ausgezeichnet worden:

    2017: "Layla M."

    Regie: Mijke de Jong

    Begründung der Jury:
    „Layla M.“ ist vor dem Hintergrund der aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Situation in Europa immens relevant. Ein mitreißend inszenierter und virtuos gespielter Beitrag zu dem schwierigen Thema Radikalisierung, bei dessen Diskurs meistens weitaus mehr verängstigte und wütende Fragen und gefährliche Allgemeinplätze aufgeworfen, als erhellende Antworten gegeben werden.

    Regisseurin Mijke de Jong versucht mit ihrem Film das Unbegreifliche begreifbarer zu machen. Ein nahezu unmögliches Unterfangen, das auf beeindruckende Weise gelingt.

    Dafür und für die Konsequenz, eine derartige Geschichte aus weiblicher Perspektive zu erzählen, zeichnet die Jury „Layla M.“ mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis 2017 aus.

    2017: "City of Ghosts"

    Regie: Matthew Heineman

    Begründung der Jury:
    Es ist der Verdienst von CITY OF GHOSTS, die Bedeutung von freiem und unabhängigem Journalismus zu thematisieren und einen Anstoß dafür zu geben, sich mit der Situation in Syrien intensiver auseinanderzusetzen.

     

    Regisseur Matthew Heineman ging es nach eigenen Worten auch darum in Zeiten, in denen Fake-News und Propaganda die mediale Oberhand zu gewinnen scheinen, ein ausdrückliches Plädoyer für die Notwendigkeit
    eines um Wahrheit bemühten Journalismus abzugeben.

    All das verdient nach Auffassung der Jury eine Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis.

    2016: "Fannys Reise"

    Regie: Lola Doillon

    Drama. Frankreich/Belgien 2016

    Aus der Begründung der Jury:
    „Fannys Reise“ ist ein bewegendes historisches Drama, das emotional und spannend die Fluchtgeschichte einer Gruppe von jüdischen französischen Kindern im Jahr 1943 erzählt.

    Wenn die 13-jährige Fanny erzwungenermaßen die ganze Last der Verantwortung übernehmen muss, entwickelt der Film seine große emotionale Kraft und macht die Bedrohung nahezu physisch spürbar. Fanny übernimmt die Verantwortung für andere zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch viel zu jung für eine so große Aufgabe ist; stetig und rasch aber wächst sie über sich hinaus – bis sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um das noch im Niemandsland zurückgebliebene kleinste Kind der Gruppe zu retten.

     

    Glaubwürdig und empathisch spricht der Film damit zentrale Werte an: Mut, Solidarität, Überlebenswille, Über-sich-Hinauswachsen, den Einsatz für andere – Werte, die auch für die Kriterien des Fritz-Gerlich-Preises relevant sind.

    2015: "Den Menschen so fern"

    Regie: David Oelhoffen
    mit Viggo Mortensen und Reda Kateb

    Daru erhält 1954 in Algerien den Auftrag, den Mörder Mohamed in die nächste große Stadt zu bringen, wo dem Kriminellen der Prozess gemacht werden soll. Nach der Kurzgeschichte „Der Gast“ von Albert Camus erzählt LOIN DES HOMMES die abenteuerliche Reise zweier Männer durch die Wüste.

     

    Aus der Begründung der Jury:
    Der Film setzt ganz stark auf die visuelle Ausdruckskraft der Bilder, die grandios eingefangenen Landschaftspanoramen und die „sprechenden“ Gesichter der eindrucksvoll agierenden Darsteller Viggo Mortensen und Reda Kateb. Sparsame, aber inhaltlich präzise Dialoge verdichten die Situationen, in die die Figuren hineingeworfen und mit grundlegenden ethischen Fragen konfrontiert werden. Der Zuschauer ist aufgefordert, die Fragen auch auf aktuelle Konflikte zu beziehen. Das gelingt umso besser dank der gänzlich undidaktischen, klugen Inszenierung Oelhoffens, die DEN MENSCHEN SO FERN zu einem zeitlos modernen Film macht.

     

    2014: "A Thousand Times Goodnight"

    Regie: Erik Poppe

    Begründung der Jury:
    Die Jury verweist in ihrer Begründung auf den "Irrsinn" der Kriegsberichterstattung, der die Grenze zwischen moralisch-ethisch vertretbarer Dokumentation und Effekthascherei durch immer reißerischere Bilder nicht mehr kennt. Das von Erik Poppe inszenierte Drama Tausendmal gute Nacht überzeugte die Jury, weil es das Engagement für mehr Menschlichkeit mit publizistischen Mitteln und gleichzeitig das Dilemma beleuchtet, in das ein jeder gerät, der sich dem Kampf gegen das Unrecht verschreibt.

     

     

    2013: "Das Mädchen Wadja"

    Regie: Haifaa Al Mansour

     

    Begründung der Jury:
    Die Jury lobt in Ihrer Begründung das Plädoyer des Films für eine sanfte Rebellion als wirkungsvoll und motivierend, sich als Zuschauer ein eigenes Urteil zu bilden. Der Film entfalte ein facettenreiches Bild vom Leben der Frauen in Saudi-Arabien, deren Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen und beruflich tätig zu sein, stark eingeschränkt sind, frei von Klischees. Die Hauptfigur Wadjda stehe für einen Weg, der nicht den Konflikt, sondern den Ausgleich sucht, nach Möglichkeiten, Freiheitsstreben und Traditionsverbundenheit zu vereinbaren. "Das Mädchen Wadjda“ sei nicht nur ein Plädoyer für Mut und Toleranz, sondern auch erfüllt vom Glauben der Regisseurin an das Kino und an seine Notwendigkeit: die eigene Welt im Spiegel eines Films zu sehen.

     

    2012: "Revision"

    Regie: Philipp Scheffner

     

    Begründung der Jury:
    Der Dokumentarfilm "Revision“ beweise, dass filmische Interventionen Sinn machen, indem er in Zeugenaussagen und Interviews mit den Familien der Opfer den 20 Jahre zurückliegenden Tötungsfall aufrollt, bei dem zwei rumänische Immigranten der Sinti und Roma im deutsch-polnischen Grenzgebiet erschossen wurden. Regisseur Philipp Scheffner gebe allen Betroffenen, Zeugen und Sachkundigen die Möglichkeit, ihre Aussagen anzuhören und diese zu überdenken. So unterwerfe er nicht nur den Fall selbst einer filmischen Revision, sondern auch das Medium Dokumentarfilm: Sein hoch reflektierter Umgang mit Bildern, Tönen und Zeugnissen gewinne an beklemmender Dichte und kreiert kunstvoll ein Mosaik aus Landschaften, Erinnerungen, Akten und „deutschen Zuständen“, die bis in unsere aktuelle Situation hinein virulent erscheinen.